Narzissmus und Anerkennung

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Dr. phil. Andreas Cremonini

Befragt man den Narzissmus aus einer philosophischen Perspektive, so liegt es nahe, sich in Begriffen wie Selbstliebe, Eigenliebe oder Eigeninteresse, die in der philosophischen Tradition gut eingeführt sind, der Thematik zu nähern. Doch über der Fülle von einschlägigen Passagen, die sich bei Aristoteles, Hume, Kant, Rousseau, Montaigne etc. finden lassen, gerät leicht die Frage aus dem Blick, ob hier überhaupt eine Einheit in der Sache vorliegt. Und etwas allgemeiner gefragt: Ist die Philosophie - mit ihrer notorischen Betonung von Autonomie, Vernunft und Selbstbestimmung - überhaupt in der Lage, den Narzissmus als ein philosophisches Problem zu erfassen? Dass die Dimensionen von Kindheit, Leiblichkeit und Alterität in der philosophischen Analyse von Selbstverhältnissen kaum je eine Rolle spielen, legt eine skeptische Antwort nahe.

Ich möchte in meinem Vortrag der Frage nachgehen, wie eine philosophische Konzeption des Narzissmus aussehen müsste. Ich werde mich dabei auf die Vorschläge der sogenannten Frankfurter Schule beziehen, die den Begriff der Anerkennung ins Zentrum stellt. Ausgehend von einer solchen intersubjektivistischen oder relationalen Auffassung des Begriffes möchte ich untersuchen, ob diese Rekonstruktion des Narzissmus-Konzepts den oben genannten prinzipiellen Vorbehalten entkommt

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