Wenn es ernst wird mit dem Zweifel

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Prof. Dr. phil. Helmut Holzhey

An dem und jenem zu zweifeln gehört zum Alltag. Anlass zum Zweifeln bieten zum Beispiel die Glaubwürdigkeit bestimmter Mitteilungen oder die Verlässlichkeit einer Person. Eine wichtige Rolle spielt der Zweifel im und für den wissenschaftlichen Erkenntnisprozess. In der Philosophie wird der Zweifel methodisch zur grundsätzlichen Prüfung menschlicher Erkenntnisfähigkeit eingesetzt. Gibt es eine unbezweifelbare Wahrheit oder Gewissheit? So unbestritten die Nützlichkeit des Zweifels sowohl in bestimmten Lebenssituationen als auch bei der philosophischen Suche nach einer letzten Gewissheit ist, so heftig ist der "übertriebene" Zweifel, der weder den Common Sense gelten lässt noch vor dem erkenntnistheoretischen und dem leiblichen Subjekt Halt macht. Das kann in radikalen Selbstzweifel und in Verzweiflung treiben. Philosophisch tritt Verzweiflung vor allem angesichts unlösbarer Widersprüche auf, bei Kierkegaard mit der Bindung der Verzweiflung an ein Selbst, das zwischen Selbstseinwollen und Nicht-Selbstseinwollen hin und her gerissen wird.

Hat sich das Zweifeln in seiner radikalen Gestalt dank den aktuellen Prozessen der Relativierung und Pluralisierung unseres geistigen Zugangs zur Wirklichkeit überlebt oder erweist es sich gerade für den Erhalt dieses Zugangs als unverzichtbar?

Ort: Kulturhaus Helferei, Breitingersaal, Kirchgasse 13, 8001 Zürich

Die Vorräge sind für Mitglieder der GAD und des entresol sowie für Studierende gratis. Nichtmitglieder zahlen Fr. 20.-

Die Veranstaltung wird gemeinsam mit dem entresol durchgeführt.

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